Fehlercode P0238: Ladedrucksensor A – Signal zu hoch
Das Signal des Ladedrucksensors klebt nahe 5 Volt; das Steuergerät sieht unmöglich hohen Druck und drosselt.
Auf einen Blick
Schweregrad: Mittel
- Bedeutung
- Ladedrucksensor A – Signal zu hoch
- System
- Gemischaufbereitung · Antrieb
- Weiterfahren?
- Nur mit Vorsicht
- Typische Reparaturkosten
- 40–500 €
- Selbst machen
- Mittel
Ein Ladedrucksensor liefert je nach Druck etwa 0,5 bis 4,5 Volt. P0238 wird gesetzt, wenn das Signal länger über dieser Grenze liegt, meist bei 4,8 Volt und mehr. Für das Motorsteuergerät sieht das nach extremem Ladedruck aus, sogar im Leerlauf. Es öffnet deshalb Wastegate bzw. VTG-Schaufeln ganz, begrenzt die Einspritzmenge und schaltet meist sofort in den Notlauf – der Motor wirkt sehr schlapp. Die Ursache ist fast immer elektrisch: ein Sensor, dessen Ausgang intern auf hoch steht, eine unterbrochene Masseleitung, durch die das Signal auf Referenzspannung hochläuft, oder eine Signalleitung, die in einem beschädigten Stecker oder Kabelbaum die 5-Volt-Versorgung berührt.
Kann ich weiterfahren? Der Motor ist geschützt, weil das Steuergerät den Ladedruck zurücknimmt, die Leistung ist aber gering. Schonend zur Werkstatt fahren und Situationen meiden, in denen volle Beschleunigung nötig wäre.
So lesen Sie P0238
- P Antrieb
- 0 Generisch (SAE/ISO)
- 2 Kraftstoff & Luft (Einspritzkreis)
- 38 Konkreter Fehler
Symptome
- Motorkontrollleuchte und sofortiger Notlauf, oft direkt nach dem Start
- Ladedruck zeigt schon im Leerlauf einen sehr hohen Wert
- Kaum Leistung, Turbo scheint abgeschaltet
- Teilweise zusätzlich Fehler für zu hohen Ladedruck gespeichert
- Nachgerüstete Ladedruckanzeige zeigt Unsinn oder Vollausschlag
- Fehler bleibt nach Neustart bestehen
Mögliche Ursachen
Sortiert nach Häufigkeit als Auslöser dieses Codes (redaktionelle Einschätzung).
- Ladedrucksensor intern defekt, Ausgang steht auf hoch
- Masseleitung des Sensors unterbrochen oder korrodiert
- Signalleitung im Stecker oder Kabelbaum mit 5-Volt-Versorgung kurzgeschlossen
- Signalleitung an Plus durchgescheuert
- Falscher Sensor mit anderer Kennlinie eingebaut
- Nachrüstanzeige oder Tuningbox in die Signalleitung eingeschleift
- Eingang des Motorsteuergeräts defekt (selten)
Diagnose Schritt für Schritt
Rohspannung ablesen
Bei Zündung an und stehendem Motor die Sensorspannung im Messwertblock anzeigen lassen, sofern verfügbar. 4,8 bis 5,0 V oder ein Druck am oberen Ende des Messbereichs, etwa 2.500 bis 3.000 mbar absolut, bestätigen das zu hohe Signal. Ein intakter Sensor läge hier bei etwa 1,0 bis 2,0 V.
Werkzeug: OBD-Diagnosegerät
Sensor abziehen und Wert beobachten
Bei eingeschalteter Zündung den Sensorstecker abziehen. Das Steuergerät zieht eine offene Signalleitung nach unten, der Wert muss also auf Minimum fallen. Bleibt er trotz abgezogenem Sensor hoch, hat die Signalleitung irgendwo im Kabelbaum Kontakt zu einer Spannungsquelle.
Werkzeug: OBD-Diagnosegerät
Masseleitung prüfen
Bei angestecktem Sensor und Zündung an zwischen Massepin und Batterieminus messen. Mehr als etwa 0,1 V bedeutet Übergangswiderstand. Bei unterbrochener Masse treiben viele Sensoren ihr Signal bis zur Referenzspannung hoch – genau das Bild von P0238.
Werkzeug: Multimeter
Schluss zwischen Signal und Versorgung suchen
Batterie abklemmen, Sensor- und Steuergerätestecker abziehen und den Widerstand zwischen Signal- und 5-Volt-Leitung messen. Er muss unendlich sein, deutlich über 1 MΩ. Jeder Durchgang zeigt eine Berührung, oft dort, wo der Kabelbaum an einem heißen Ladeluftrohr anliegt oder unter einem Halter gequetscht wurde.
Werkzeug: Multimeter
Bordspannung auf der Signalleitung ausschließen
Bei abgezogenem Sensor und Zündung an die Signalleitung gegen Masse messen. Alles über 5 V, besonders 12 V, deutet auf Schluss zu einem Pluskreis. Diesen zuerst beheben, sonst kann er den neuen Sensor und den Steuergeräteeingang beschädigen.
Werkzeug: Multimeter
Richtigen Sensor einbauen und prüfen
Messbereich und Stecker des Ersatzteils mit dem Original vergleichen. Nach dem Einbau muss die Spannung bei Zündung an wieder bei 1 bis 2 V liegen und unter Ladedruck gleichmäßig steigen. Fehlerspeicher löschen und prüfen, ob der Motor normal zieht.
Werkzeug: OBD-Diagnosegerät, Multimeter
Wo die Bauteile sitzen
- 1Zündspule
- 2Zündkerze
- 3Einspritzdüse
- 4Nockenwellensensor
- 5Kurbelwellensensor
- 6Motorsteuergerät
- 7Ansaugkrümmer
Reparatur & Kosten
| Reparatur | Selbst? | Geschätzte Kosten |
|---|---|---|
| Masseleitung instand setzen oder Massepunkt reinigen | Nein | 40–180 € |
| Ladedrucksensor erneuern | Ja | 70–280 € |
| Beschädigten Stecker erneuern | Nein | 60–200 € |
| Kurzgeschlossenen Kabelbaumabschnitt reparieren | Nein | 150–500 € |
Grobe Schätzung für Deutschland inkl. Teile und Arbeitszeit; Stundensätze schwanken regional. Kein Angebot.
Auswirkung auf HU/AU
Durchgefallen
Mit leuchtender Motorkontrollleuchte fällt das Fahrzeug bei der AU durch, ohne AU keine HU-Plakette. Der Fehler ist meist dauerhaft aktiv und verschwindet vor der Prüfung nicht von selbst.
Häufige Fragen
Wenn das Steuergerät zu hohen Ladedruck sieht, ist der Motor dann gefährdet?
Nein, eher umgekehrt. Nicht der Ladedruck ist zu hoch, sondern das Signal. Weil das Steuergerät Überladedruck vermutet, öffnet es Wastegate oder VTG und nimmt Leistung zurück – das schützt den Motor, kostet aber viel Kraft.
Warum ist es bei diesem Code oft nicht der Sensor?
Ein defekter Sensor ist zwar die häufigste Einzelursache, aber eine unterbrochene Masse oder ein Schluss zur 5-Volt-Versorgung erzeugen dieselbe hohe Spannung. Abziehtest und Massemessung dauern nur Minuten und klären die Frage.
Kann eine nachgerüstete Ladedruckanzeige P0238 auslösen?
Ja. Manche elektronischen Anzeigen greifen das Signal des Seriensensors ab. Eine schlechte Verbindung oder eine Anzeige, die eigene Spannung einspeist, zieht das Signal hoch. Anzeige abklemmen und beobachten, ob der Fehler wiederkommt.
Was ist der Unterschied zu P0234?
P0234 bedeutet, dass das Steuergerät anhand eines plausiblen Signals echten Überladedruck erkennt. P0238 heißt, das Signal selbst liegt oberhalb des gültigen Bereichs. Treten beide gemeinsam auf, zuerst den Sensorstromkreis prüfen.