P0687: Hauptrelais Motorsteuergerät – Ansteuerkreis Signal zu hoch
Ungewollte Bordspannung an der Ansteuerleitung – Hauptrelais zieht nicht an oder fällt nicht ab.
Auf einen Blick
Schweregrad: Mittel
- Bedeutung
- Hauptrelais Motorsteuergerät – Ansteuerkreis Signal zu hoch
- System
- Steuergerät & Ausgänge · Antrieb
- Weiterfahren?
- Nur mit Vorsicht
- Typische Reparaturkosten
- 25–1.900 €
- Selbst machen
- Mittel
P0687 bedeutet, dass das Motorsteuergerät an seinem Ausgang für das Hauptrelais eine höhere Spannung misst, als der Schaltzustand zulässt, oder beim Einschalten Überstrom erkennt. In beiden Fällen ist die Leitung mit einer fremden Spannungsquelle verbunden. Die Auswirkung hängt von der Schaltung ab: Schaltet das Steuergerät die Masseseite, kann das Relais nicht anziehen und der Motor springt nicht an. Versorgt das Steuergerät die Spule mit Plus, hält derselbe Fehler das Relais nach Zündung aus angezogen – Steuergerät und alle Verbraucher am Relais bleiben unter Spannung, der Nachlauf endet nie und die Batterie ist morgens leer. Ursachen reichen von einer Leitung mit Plusschluss über ein Relais mit innerem Schluss zwischen Kontakt und Spule bis zu einem Steuergerät, das durch ein hängendes Klemme-15- oder Wecksignal wach gehalten wird.
Kann ich weiterfahren? Springt der Motor an, kann er zur Werkstatt gefahren werden. Ist die Batterie über Nacht leer, beim Abstellen den Minuspol abklemmen, bis der Fehler gefunden ist – sonst drohen Liegenbleiben und eine geschädigte Batterie.
So lesen Sie P0687
- P Antrieb
- 0 Generisch (SAE/ISO)
- 6 Steuergerät & Ausgänge
- 87 Konkreter Fehler
Symptome
- Batterie nach einer Nacht oder zwei Tagen Standzeit leer
- Hauptrelais lange nach Zündung aus noch angezogen und warm
- Kühlerlüfter oder Kraftstoffpumpe laufen nach dem Abstellen ungewöhnlich lange nach
- Nichtanspringen bei Schaltungen, in denen das Steuergerät die Masse der Spule schaltet
- Motorkontrollleuchte, oft zusammen mit P0690
Mögliche Ursachen
Sortiert nach Häufigkeit als Auslöser dieses Codes (redaktionelle Einschätzung).
- Ansteuerleitung mit Schluss zu einer Dauerplusleitung
- Relais mit innerem Schluss zwischen Arbeitskontakt und Spule
- Steuergerät durch hängendes Zündschloss, Wecksignal oder anderes Steuergerät wach gehalten
- Endstufe im Steuergerät nach Wassereintritt oder Spannungsspitze dauerhaft durchgeschaltet
- Korrosionsbrücke zwischen Kontakten im Relaissockel
- Nachgerüstete Standheizungs-, Alarm- oder Fernstartverkabelung am Versorgungskreis
Diagnose Schritt für Schritt
Ruhestrom messen
Strommesszange oder Amperemeter an das Batteriekabel, Fahrzeug verriegeln und warten, bis alle Steuergeräte schlafen – bei neueren Fahrzeugen bis zu 30–60 Minuten. Ein gesundes Fahrzeug liegt dann unter etwa 50 mA; ein gehaltenes Hauptrelais lässt meist mehrere hundert Milliampere bis einige Ampere fließen.
Werkzeug: Multimeter
Abfallzeit des Relais prüfen
Ausgangsklemme des Relais rückseitig messen und Zündung ausschalten. Die Spannung muss nach dem Nachlauf verschwinden, meist nach Sekunden oder bei Lüfternachlauf nach wenigen Minuten. Bleibt sie dauerhaft anliegen, Relais ziehen und prüfen, ob der Ruhestrom verschwindet.
Werkzeug: Multimeter
Wecksignal am Steuergerät prüfen
Bei abgezogenem Schlüssel Klemme 15 bzw. den Weckeingang am Steuergerätestecker messen. Es müssen 0 V anliegen. Liegt dort Spannung, halten Zündschloss, Klemme-15-Relais oder ein Nachrüstgerät das Steuergerät wach – und es hält sein Hauptrelais völlig zu Recht.
Werkzeug: Multimeter
Relais auf inneren Schluss prüfen
Auf dem Tisch zwischen jedem Arbeitskontakt und jedem Spulenanschluss messen. Alle Messungen müssen offen sein. Eine Verbindung bedeutet, dass das Relais seine eigene Spule speist und nach dem ersten Anziehen nicht mehr abfällt.
Werkzeug: Multimeter
Fremdspannung auf der Ansteuerleitung suchen
Relais ziehen, Steuergerät abstecken und die Ansteuerleitung bei Zündung aus gegen Masse messen. Jede Spannung bedeutet Schluss zu einem anderen Kreis; Kabelbaum an den Trennstellen öffnen, um den betroffenen Abschnitt einzugrenzen.
Werkzeug: Multimeter, Taschenlampe
Endstufe zuletzt verdächtigen
Sind Leitung, Relais und Wecksignal in Ordnung, hält das Steuergerät den Ausgang aber trotzdem oder meldet P0687 sofort, ist die Endstufe defekt. Spezialbetriebe setzen das oft ohne neue Codierung instand.
Werkzeug: OBD-Diagnosegerät
Wo die Bauteile sitzen
- 1Batterie
- 2Lichtmaschine
- 3Motorsteuergerät
- 4CAN-Bus
- 5Getriebe
- 6Raddrehzahlsensor
- 7Hochvoltbatterie
Reparatur & Kosten
| Reparatur | Selbst? | Geschätzte Kosten |
|---|---|---|
| Hauptrelais erneuern | Ja | 25–120 € |
| Zündschloss oder Klemme-15-Relais erneuern | Nein | 80–380 € |
| Ansteuerleitung mit Plusschluss instand setzen | Nein | 110–380 € |
| Nachrüstverkabelung entfernen oder korrigieren | Nein | 100–300 € |
| Motorsteuergerät instand setzen oder erneuern | Nein | 300–1.900 € |
Grobe Schätzung für Deutschland inkl. Teile und Arbeitszeit; Stundensätze schwanken regional. Kein Angebot.
Auswirkung auf HU/AU
Durchgefallen
P0687 schaltet die Motorkontrollleuchte ein, die AU mit OBD-Abfrage wird so nicht bestanden. Häufige Tiefentladungen löschen zudem bei vielen Fahrzeugen die Readiness-Codes – Ruhestromproblem beheben und vor der HU/AU einige Fahrten machen.
Häufige Fragen
Kann P0687 die Batterie leersaugen?
Ja, bei Fahrzeugen, in denen das Steuergerät die Relaisspule mit Plus versorgt. Hängt die Leitung auf hohem Pegel, fällt das Relais nie ab, Steuergerät und Verbraucher bleiben nach dem Abschließen an und die Batterie kann über Nacht leer sein.
Warum ist der Ruhestrom weg, wenn ich das Hauptrelais ziehe?
Weil das Relais Steuergerät und Verbraucher versorgt hat. Damit ist der Entladeweg gefunden; offen bleibt, was das Relais angezogen hielt – Leitungsschluss, defektes Relais, Wecksignal oder das Steuergerät selbst.
Kann das Zündschloss der eigentliche Übeltäter sein?
Ja. Bleibt über Zündschloss oder Klemme-15-Relais nach Abziehen des Schlüssels Spannung am Weckeingang, hält sich das Steuergerät für eingeschaltet und das Hauptrelais bleibt an. Eine Messung bei abgezogenem Schlüssel klärt das.
Was unterscheidet P0687 von P0690?
P0687 betrifft die Ansteuerseite – die Leitung, über die das Steuergerät die Spule schaltet. P0690 betrifft den Relaisausgang, den das Steuergerät zur Kontrolle rückliest. Verschweißte Kontakte setzen typischerweise P0690, eine Ansteuerleitung mit Fremdspannung P0687.
Quellen
- SAE J2012 – Diagnostic Trouble Code Definitions
- ISO 15031-6 – Road vehicles, diagnostic trouble code definitions (EOBD)
- Manufacturer public service information (cross-checked)
- Methodik: So entstehen unsere Code-Seiten · Unsere Datenquellen · Redaktionelle Richtlinien