Fehlercode P0118: Kühlmitteltemperatursensor 1 – Signal zu hoch
Das Signal liegt nahe 5 Volt, das Steuergerät glaubt an einen Motor bei -40 °C.
Auf einen Blick
Schweregrad: Niedrig
- Bedeutung
- Kühlmitteltemperatursensor 1 – Signal zu hoch
- System
- Gemischaufbereitung · Antrieb
- Weiterfahren?
- Nur mit Vorsicht
- Typische Reparaturkosten
- 0–300 €
- Selbst machen
- Leicht
Im Motorsteuergerät wird die Signalleitung des Kühlmitteltemperaturfühlers über einen Festwiderstand auf 5 Volt gezogen, und der NTC-Widerstand im Fühler zieht die Spannung mit steigender Temperatur wieder nach unten. Fehlt der Fühler oder ist der Weg nach Masse unterbrochen, steigt die Spannung auf fast volle 5 Volt. Liegt das Signal dauerhaft über etwa 4,8 bis 4,9 Volt, speichert das Steuergerät P0118; im Messwertblock erscheinen dann -40 °C, der kälteste darstellbare Wert. Fast immer steckt eine Unterbrechung dahinter: ein nach Arbeiten am Kühlsystem nicht eingerasteter Stecker, ein Kabelbruch, ein zurückgerutschter Kontakt oder ein Fühler mit gerissenem Element. Da das Steuergerät nun für einen Kaltstart bei strengem Frost einspritzt, läuft der Motor überfettet, bis ein Ersatzwert greift.
Kann ich weiterfahren? Kurze Strecken sind unkritisch, wochenlang sollte man so aber nicht fahren: Das fette Gemisch verdünnt das Motoröl, verrußt die Zündkerzen und kann den Katalysator überhitzen. Die Temperaturanzeige ist dabei oft nicht mehr zuverlässig.
So lesen Sie P0118
- P Antrieb
- 0 Generisch (SAE/ISO)
- 1 Kraftstoff- & Luftzumessung
- 18 Konkreter Fehler
Symptome
- Motorkontrollleuchte leuchtet, meist direkt nach dem Start
- Kühlmitteltemperatur im Messwertblock bleibt bei -40 °C stehen, egal wie lange der Motor läuft
- Deutlicher Benzingeruch, verrußtes Endrohr, beim Diesel mehr Rauch
- Erhöhte Leerlaufdrehzahl, die nicht absinkt, oder schlechter Warmstart
- Temperaturanzeige bleibt im kalten Bereich oder fällt auf null
- Kühlerlüfter läuft bei vielen Fahrzeugen als Notlaufmaßnahme ständig
Mögliche Ursachen
Sortiert nach Häufigkeit als Auslöser dieses Codes (redaktionelle Einschätzung).
- Stecker am Fühler abgezogen, nicht eingerastet oder abgerutscht, häufig nach Thermostat-, Wasserpumpen- oder Ansaugbrückentausch
- Fühlerelement intern unterbrochen oder Gehäuse gerissen (Widerstand unendlich)
- Korrodierter oder aufgeweiteter Kontakt im Stecker mit Wackelkontakt
- Kabelbruch in Signal- oder Masseleitung, meist an einer Biegestelle am Motor
- Unterbrechung der gemeinsamen Sensormasse, dann meist zusätzlich Fehler am Ansauglufttemperaturfühler
- Signalleitung an Fremdspannung oder Eingang im Motorsteuergerät defekt
Diagnose Schritt für Schritt
Messwert lesen und das Naheliegende prüfen
Zündung ein, Kühlmitteltemperatur im Messwertblock ablesen. Konstant -40 °C bei warmem Motor bestätigt eine Unterbrechung und keinen gealterten Fühler. Danach den Fühler selbst ansehen: Oft ist der Stecker nach einer vorherigen Reparatur nie richtig eingerastet.
Werkzeug: OBD-Diagnosegerät, Taschenlampe
Stecker mit einer Brücke überbrücken
Fühler abziehen und eine abgesicherte Prüfbrücke zwischen die beiden Kontakte des Kabelbaumsteckers setzen. Der Messwert muss auf den heißen Maximalwert springen, oft 140 °C oder mehr. Dann sind Leitung und Steuergerät in Ordnung und der Fühler ist unterbrochen. Brücke gleich wieder entfernen.
Werkzeug: OBD-Diagnosegerät, Zange
Fühler an den Pins messen
Ein unterbrochener Fühler zeigt im Ohmbereich OL. Ein intakter liegt bei 20 °C etwa bei 2 bis 3 kΩ und sinkt bei 90 °C auf rund 200 bis 300 Ω. Beim Messen leicht an den Pins bewegen: Springt der Wert zwischen Messwert und OL, ist das Element gerissen.
Werkzeug: Multimeter
Referenzspannung und Masse am Kabelbaum prüfen
Bei abgezogenem Fühler und eingeschalteter Zündung müssen am Signalkontakt etwa 5 Volt gegen Batterie-Minus anliegen, der Massekontakt muss niederohmig mit Motormasse verbunden sein. Fehlt die Masse und ist zugleich ein Fehler des Ansauglufttemperaturfühlers gespeichert, liegt das Problem an der gemeinsamen Sensormasse oder ihrer Verbindungsstelle.
Werkzeug: Multimeter
Kontakte genau begutachten
Mit einer Lampe in den Stecker schauen. Grünspan, ein aus der Kammer gerutschter Kontakt oder eine aufgeweitete Buchse erzeugen eine Unterbrechung, die mit den Motorvibrationen kommt und geht. Einen passenden Prüfstift durch jede Buchse ziehen, er muss leicht stramm sitzen.
Werkzeug: Taschenlampe, Schraubendreher
Reparieren, löschen, bestätigen
Fühler oder Stecker erneuern, verlorenes Kühlmittel nachfüllen und entlüften. Fehlerspeicher löschen und einen Kaltstart beobachten: Kühlmittel- und Ansauglufttemperatur müssen übereinstimmen und dann gleichmäßig steigen. Lüfter und Benzingeruch sollten nach einer Fahrt verschwunden sein.
Werkzeug: OBD-Diagnosegerät, Handschuhe
Wo die Bauteile sitzen
- 1Zündspule
- 2Zündkerze
- 3Einspritzdüse
- 4Nockenwellensensor
- 5Kurbelwellensensor
- 6Motorsteuergerät
- 7Ansaugkrümmer
Reparatur & Kosten
| Reparatur | Selbst? | Geschätzte Kosten |
|---|---|---|
| Stecker aufstecken und richtig verriegeln | Ja | 0–40 € |
| Kühlmitteltemperaturfühler erneuern | Ja | 40–160 € |
| Stecker mit Reparaturleitung und neuen Kontakten erneuern | Ja | 40–150 € |
| Kabelbruch in Signal- oder Masseleitung instand setzen | Nein | 80–280 € |
| Verrußte Zündkerzen nach längerem Fettlauf erneuern | Ja | 80–300 € |
Grobe Schätzung für Deutschland inkl. Teile und Arbeitszeit; Stundensätze schwanken regional. Kein Angebot.
Hinweise nach Marke
Volkswagen
Viele ältere VW-Vierzylinder (etwa Golf IV-Generation) nutzen einen vierpoligen Doppelfühler, der Steuergerät und Kombiinstrument versorgt. Er gilt als Verschleißteil; zuckt die Temperaturanzeige und kommt P0118 dazu, ist meist Fühler oder Stecker am Ende.
Auswirkung auf HU/AU
Durchgefallen
Leuchtet die Motorkontrollleuchte, ist die AU im Rahmen der HU nicht bestanden. Nach der Reparatur einige vollständige Warmlaufzyklen fahren, weil die meisten Readiness-Tests erst mit plausibler Kühlmitteltemperatur laufen.
Häufige Fragen
Warum zeigt ein abgezogener Fühler -40 °C und nicht 0 °C?
Das Steuergerät speist den Fühler über einen Pull-up-Widerstand; ohne Fühler steigt die Spannung auf etwa 5 Volt. In der Kennlinie entspricht das der tiefsten möglichen Temperatur, bei den meisten Fahrzeugen -40 °C.
Kann P0118 den Katalysator beschädigen?
Auf Dauer ja. Das Steuergerät spritzt Kaltstartmenge ein, und unverbrannter Kraftstoff verbrennt im Katalysator nach. Ein paar Tage sind unkritisch, wochenlanger Fettlauf kann den Kat aber überhitzen und die Kerzen verrußen.
Warum springt der Motor gerade warm so schlecht an?
Ein warmer Motor braucht zum Start kaum Mehrmenge. Weil das Steuergerät von -40 °C ausgeht, gibt es die volle Kaltstartmenge in den heißen Motor und er säuft ab. Gaspedal beim Starten ganz durchtreten hilft oft, weil viele Steuergeräte dann die Einspritzung zum Freiblasen abschalten.
Ist das vielleicht nur der Geber für die Temperaturanzeige?
Manche Motoren haben zwei getrennte Fühler, einen für das Steuergerät und einen für das Kombiinstrument. P0118 betrifft immer den Fühler des Motorsteuergeräts, daher vor dem Teilekauf in den Werkstattdaten nachsehen, welcher gemeint ist.