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Schweregrad: Mittel Code-Typ: Generisch (alle Marken)

Fehlercode P0299: Ladedruck zu niedrig (Turbolader/Kompressor A)

Der Turbolader oder Kompressor erreicht nicht den Ladedruck, den das Motorsteuergerät anfordert.

Auf einen Blick

Schweregrad: 3/5 – Mittel3/5

Schweregrad: Mittel

Bedeutung
Ladedruck zu niedrig (Turbolader/Kompressor A)
System
Gemischaufbereitung · Antrieb
Weiterfahren?
Nur mit Vorsicht
Typische Reparaturkosten
10–3.500 €
Selbst machen
Schwer

Bei aufgeladenen Motoren gibt das Steuergerät für jeden Betriebspunkt einen Soll-Ladedruck vor und regelt ihn über das Wastegate oder die verstellbaren Leitschaufeln des VTG-Laders. Ein Ladedrucksensor meldet den tatsächlich erreichten Druck. Bleibt der Ist-Wert zu lange zu weit unter dem Sollwert, wird P0299 gespeichert, und fast immer schaltet der Motor in den Notlauf. Meist ist nicht der Turbolader selbst defekt: Ladeluft entweicht über einen geplatzten Schlauch oder undichten Ladeluftkühler, oder die Ladedruckregelung arbeitet nicht richtig. Beim Diesel sind verkokte Leitschaufeln und ein zugesetzter Dieselpartikelfilter weitere typische Ursachen.

Kann ich weiterfahren? Vorsichtig zur Werkstatt fahren ist meist möglich, im Notlauf fehlt aber viel Leistung – Überholen, Autobahnauffahrten und Anhängerbetrieb möglichst vermeiden. Bei lautem Heulen, blauem Rauch oder aufleuchtender Öldruckwarnung sofort anhalten.

So lesen Sie P0299

So lesen Sie P0299P10223994
  1. P Antrieb
  2. 0 Generisch (SAE/ISO)
  3. 2 Kraftstoff & Luft (Einspritzkreis)
  4. 99 Konkreter Fehler

Symptome

  • Motorkontrollleuchte leuchtet
  • Deutlicher Leistungsverlust, meist Notlauf
  • Zischen oder Pfeifen beim Beschleunigen
  • Zähes Beschleunigen an Steigungen und auf der Autobahn
  • Schwarzer Rauch beim Diesel unter Last
  • Erhöhter Verbrauch

Mögliche Ursachen

Sortiert nach Häufigkeit als Auslöser dieses Codes (redaktionelle Einschätzung).

  1. Undichtigkeit im Ladeluftsystem: Schlauch geplatzt oder abgerutscht, Schelle lose, Ladeluftkühler undicht 35%
  2. VTG-Leitschaufeln verkokt oder schwergängig, Unterdruckdose bzw. Stellmotor defekt 22%
  3. Ladedruckregelventil oder Unterdruckleitung defekt bzw. undicht 10%
  4. Dieselpartikelfilter oder Katalysator zugesetzt 10%
  5. Ladedrucksensor oder dessen Leitung fehlerhaft 8%
  6. Turbolader verschlissen (Lagerspiel, Verdichterrad beschädigt) 8%
  7. AGR-Ventil hängt offen oder Luftfilter stark zugesetzt 7%

Diagnose Schritt für Schritt

Diagnoseablauf: P02991Soll- und Ist-Ladedruck aufzeichnen2Ladeluftstrecke sichtprüfen3Ladeluftsystem abdrücken4Ladedruckregelung prüfen5Ladedrucksensor plausibilisieren6Abgasgegendruck prüfen7Turbolader selbst begutachten
  1. Soll- und Ist-Ladedruck aufzeichnen

    Mit einem Diagnosegerät beide Werte während einer Beschleunigung im 3. oder 4. Gang aufzeichnen, nur wo es sicher und erlaubt ist. Baut sich der Druck träge auf und erreicht den Sollwert nie, ist ein Leck oder eine schwergängige Regelung wahrscheinlich; bricht er bei höherer Drehzahl plötzlich ein, bläht sich meist ein Schlauch auf oder springt ab.

    Werkzeug: OBD-Diagnosegerät

  2. Ladeluftstrecke sichtprüfen

    Bei kaltem Motor alle Schläuche, Verbinder und Schellen zwischen Turbolader, Ladeluftkühler und Drosselklappe prüfen. Ölfeuchte Stellen außen an Verbindungen, halb abgerutschte Schläuche oder Risse an den Kunststoffkästen des Ladeluftkühlers sind typische Befunde.

    Werkzeug: Taschenlampe, Schraubendreher

  3. Ladeluftsystem abdrücken

    Das System mit einem Abdrückset oder einem Rauchtester mit Adapter unter moderaten Druck setzen, etwa 1 bis 1,5 bar und nie mehr als der maximale Ladedruck des Motors. Undichte Stellen hört man oder findet sie mit Seifenwasser.

    Werkzeug: Rauchgastester

  4. Ladedruckregelung prüfen

    Bei pneumatischer Regelung die Unterdruckdose mit einer Handpumpe ansteuern: Das Gestänge muss sich leichtgängig bewegen und der Unterdruck halten. Bei elektrischen Stellern die Stellglieddiagnose nutzen. Verkokte VTG-Schaufeln bewegen sich kalt oft noch, klemmen aber bei warmem Motor.

    Werkzeug: Unterdruckmesser, OBD-Diagnosegerät

  5. Ladedrucksensor plausibilisieren

    Bei eingeschalteter Zündung und stehendem Motor muss der Ladedrucksensor denselben Wert wie der Umgebungsdrucksensor zeigen, auf Meereshöhe rund 1.000 mbar absolut. Größere Abweichungen im Stand verfälschen die Regelung.

    Werkzeug: OBD-Diagnosegerät, Multimeter

  6. Abgasgegendruck prüfen

    Beim Diesel Differenzdruck und Beladung des Partikelfilters im Messwertblock ablesen. Ein zugesetzter DPF bremst die Turbine aus, sodass der Lader keinen Druck aufbauen kann. Gegebenenfalls zuerst eine Regeneration oder Reinigung durchführen lassen.

    Werkzeug: OBD-Diagnosegerät

  7. Turbolader selbst begutachten

    Bei kaltem Motor den Ansaugschlauch am Verdichtereingang abnehmen. Das Rad muss sich frei drehen, etwas Radialspiel ist normal, aber die Schaufeln dürfen das Gehäuse nicht berühren; beschädigte Schaufeln oder stehendes Öl deuten auf einen Laderschaden.

    Werkzeug: Taschenlampe, Handschuhe

Wo die Bauteile sitzen

Ansaugtrakt und Gemischaufbereitung – P029912345678
Ansaugtrakt und Gemischaufbereitung
  1. 1Luftmassenmesser
  2. 2Turbolader
  3. 3Drosselklappe
  4. 4Ansaugkrümmer
  5. 5Einspritzdüse
  6. 6AGR-Ventil
  7. 7Kraftstoffpumpe
  8. 8Thermostat

Reparatur & Kosten

ReparaturSelbst?Geschätzte Kosten
Ladeluftschlauch aufstecken bzw. Schelle erneuern Ja 10–60 €
Ladeluftschlauch erneuern Ja 80–350 €
Ladedruckregelventil oder Unterdruckdose erneuern Nein 120–600 €
Dieselpartikelfilter reinigen lassen (Aus- und Einbau) Nein 300–900 €
Turbolader instand setzen oder erneuern Nein 1.200–3.500 €

Grobe Schätzung für Deutschland inkl. Teile und Arbeitszeit; Stundensätze schwanken regional. Kein Angebot.

Hinweise nach Marke

Volkswagen

Bei TDI-Motoren in Golf, Passat, Touran und Transporter sind verkokte, schwergängige VTG-Leitschaufeln ein bekannter Grund für zu niedrigen Ladedruck, besonders bei viel Kurzstrecke und Stadtverkehr. Bei älteren Modellen mit pneumatischer Regelung sind außerdem das Ladedruckregelventil und poröse Unterdruckschläuche häufige Verdächtige.

Felddaten

Ford 28 Escape, Edge, F-150 SUPERCAB
Honda 9 Accord, Cr-V, Civic Hybrid
Volkswagen 4 Passat, Jetta, Jetta Sportwagen
Hyundai 2 Santa Fe, Tucson

Quelle: NHTSA Complaints API (offene Daten der US-Regierung), ausgewertet nach Fehlercode-Nennung. US-Modelle können von deutschen Varianten abweichen.

Auswirkung auf HU/AU

Durchgefallen

Mit leuchtender Motorkontrollleuchte besteht das Fahrzeug die AU nicht, und damit gibt es auch keine HU-Plakette. Beim Diesel kann zu niedriger Ladedruck zusätzlich die Trübungs- bzw. Partikelmessung bei der AU verschlechtern.

Häufige Fragen

Ist bei P0299 der Turbolader kaputt?

In den meisten Fällen nicht. Undichte Ladeluftschläuche und Probleme mit der Ladedruckregelung sind deutlich häufiger als ein defekter Lader. Ein wirklich verschlissener Turbo zeigt meist weitere Anzeichen wie lautes Heulen, Öl im Ladeluftsystem oder blauen Rauch.

Warum geht mein Diesel nach dem Neustart wieder normal?

Viele Steuergeräte heben den Notlauf nach einem Neustart zunächst wieder auf, bis der Fehler erneut erkannt wird. Die Ursache ist damit nicht behoben – oft kehrt der Notlauf bei der nächsten Volllastbeschleunigung zurück.

Hilft eine Autobahnfahrt gegen verkokte Leitschaufeln?

Bei leichter Verkokung kann eine längere Fahrt mit höherer Last die Schaufeln etwas freibrennen, und die Stellglieddiagnose kann sie mehrmals durchbewegen. Sitzen sie fest, hilft nur eine Reinigung oder Instandsetzung des Laders.

Kann ein zugesetzter Partikelfilter P0299 auslösen?

Ja. Ein voller DPF erhöht den Abgasgegendruck so stark, dass die Turbine nicht genug Antrieb bekommt. Deshalb vor einem Ladertausch immer Beladung und Differenzdruck des Filters prüfen.

Quellen